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Der Islam ist Frieden? Aber warum dann der Jihad?


Trotz der Tatsache, dass die Mittel zur Kommunikation ausgereift sind, scheuen sich einige Menschen immer noch in einen Dialog mit anderen Kulturen oder Religionen zu treten. Infolgedessen entwickeln sich Cliches und Vorurteile gegenüber den Mitmenschen, die von den Medien auch noch hochgehalten werden. Wir Muslime treffen heute auf viele derartige Vorurteile. Als Beispiel versuchten einige Nicht-Muslime Terroranschläge, wie den 11.September, mit dem Islam und dem Konzept des islamischen Jihads zu verknüpfen. Deshalb erachten wir es als notwendig, uns bezüglich dieses falschen Verständnisses des Jihads zu äußern und aufzuklären.

[1] Was ist der Jihad?


Der Begriff Jihad bedeutet nicht ''Heiliger Krieg'', wie es die Medien öfters darstellen. Man könnte diesbezüglich jeden Experten der arabischen Sprache aufsuchen, der diese falsche Übersetzung bestätigen würde. Der Begriff Jihad trägt literarisch gesehen nämlich folgende Bedeutung: ''Sich für etwas bemühen bzw. anstrengen oder auch für etwas intensiv zu arbeiten bzw. zu streben''. In der islamischen Terminologie unterscheidet man zwischen dem größeren Jihad (Jihad al Akbar) und dem kleineren Jihad (Jihad al Asghar).

[a.] Der größere Jihad:

Der größere Jihad (der Kampf gegen die eigenen Begierden bzw. Sünden) ist als ein spiritueller Kampf zwischen zwei Mächten in uns bekannt, der Seele und dem Körper. Wir Menschen geraten öfters in einen Konflikt mit unseren körperlichen Begierden. Dementsprechend befiehlt der Islam seinen Anhängern, in solch einem Konflikt, der Seele den Vorzug zu gewähren und auf die sündhaften Begierden zu verzichten. Diese Form des Jihads begleitet uns unser Leben lang und gilt, wie der Name ''der größere Jihad'' schon sagt, als der wichtigste Jihad. Es wird ihm ein solch hoher Wert beigemessen, dass Imam Ali (as), der Cousin des Propheten Mohamad (saas), sagt:

Imam Ali (as) sagte: Jener, der gegen sich selbst kämpft, um Gott zu gehorchen, dessen Status kommt in den Augen Gottes dem eines frommen Märtyrers nach.

Shiitische Quelle: Ghurar ul Hikam wa Durar ul Kalim, hadith 3546

[b.] Der kleinere Jihad

Der kleinere Jihad ist der ''Kampf'', der mehrere Formen besitzt. Entweder wird dieser beispielsweise mit dem Stift und der Zunge (Dialog, Debatten,Widerlegungen oder Protest), oder auch der letzten Konsequenz, dem Krieg, geführt. Dem Muslim oder auch den islamischen Ländern, wird das Recht zugesprochen, sich zu verteidigen. Jedoch bedeutet dies nicht, dass man in unberechtigter Weise Gewalt anwenden darf. Man könnte diese letzte Form des Jihads in zwei Aspekte aufteilen: Aggression (Angriff) und Verteidigung. Aggression gegen die Menschen ist im Islam nicht erlaubt, jedoch gilt die Verteidigung, beispielsweise nach einem kriegerischen Angriff, als ein absolutes Recht des Menschen und dies nicht nur im Islam.

Dementsprechend erlaubt der Islam diesen kleinen Jihad allein, um die muslimischen Menschen und ihre Länder zu verteidigen und um Frieden in den muslimschen Gesellschaften zu leisten.

Um einen Vergleich aufzuzeigen, wie der größere Jihad (der spirituelle Kampf gegen das eigene Ich) dem kleineren überragt, sollte man sich diese Überlieferung zu Herzen nehmen:

Imam Jafar al Sadiq (as) sagte: Der Prophet Gottes (Mohamad saas.) sandte einen Trupp der Armee (in den Kampf). Nach deren Rückkehr sagte er zu ihnen: Gepriesen seien jene, die den kleinen Jihad praktizierten und nun den größeren Jihad praktizieren müssen. Als dann gefragt wurde, ''Was ist der größere Jihad?'', antworte der Prophet (Mohamad saas.): Der Jihad bezüglich der eigenen Person (Kampf gegen die eigenen Sünden).

Shiitische Quelle: Al-Majlisi, Bihar al-Anwar, Band 19, Seite 182, Hadith 31

[2] Die Koranischen Verse erklären uns das Konzept des Jihads


Der erste Krieg, an welchem der Prophet Mohamad (saas) und seine Anhänger teilnahmen, war ein Verteidigungskrieg. Bekannt ist diese Schlachte unter dem Namen ''Die Schlacht von Badr'', ein Ort, welcher sich in der Nähe von Medinah befindet. Es war eine Schlacht, in welcher sich der Prophet Mohamad (saas) mit seinen Anhängern bereit machte, um den feindlichen Einheiten, die von Mekka aus kamen, zu begegnen. Zur Info: Mekka wurde damals von Nicht-Muslimen regiert. Der erste Vers, der zu dieser Zeit, bezüglich des kleineren Jihads offenbart wurde, war folgender:

[22:39] Erlaubnis (zum Kampf) ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht zugefügt wurde - und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen -, (Bubenheim) [22:40] (ihnen), die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Allah[...]

Und nochmals, sich beziehend auf die Nicht-Muslime aus Mekka, die Kriege über Kriege gegen den Propheten Mohamad (saas) und die Muslime stifteten, sagt der Koran folgendes:

[2:190] Und kämpft um Allahs willen gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen! Aber begeht keine Übertretung (indem ihr den Kampf auf unrechtmäßige Weise führt)! Allah liebt die nicht, die Übertretungen begehen.

In diesem Vers ist die Rede von einer Antwort auf einen Krieg, um sich selbst zu verteidigen. Es ist nicht die Rede von jeglicher unbegründeten Aggression. Das Besondere: Selbst in diesem defensiven Verteidgungskrieg, warnt Allah (swt) die Muslime davor, keine Übertretung (Übertreibung) zu begehen.

Der Islam lehrt den Muslimen zwar, dass sie stark sein sollten, um sich selber schützen zu können, jedoch bedeutet dies nicht, dass sie sich der Aggressivität oder gar Ungerechtigkeit bedienen dürften. Allah (swt) spricht diese Thematik wie folgt im Koran an:

[8:60] Und rüstet gegen sie auf, soviel ihr an Streitmacht und Schlachtrossen aufbieten könnt, damit ihr Allahs Feind und euren Feind - und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt - abschreckt; Allah kennt sie (alle). Und was ihr auch für Allahs Sache aufwendet, es wird euch voll zurückgezahlt werden, und es soll euch kein Unrecht geschehen.

Nachdem in diesem Vers darauf aufmerksam gemacht wurde, stark zu sein, indem wir uns darauf vorbereiten, uns verteidigen zu können, geht der Vers wie folgt weiter:

[8:61] Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiß, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.

Kurz gefasst, der Islam möchte es, dass die Muslime stark sind, sodass andere sie nicht tyrannisieren können. Jedoch müssen die Muslime den Frieden wahren, selbst mit ihren Feinden, wenn diese denn selbst zum Frieden geneigt sind.

[3] Der Problem des Kontexts


Einige Prediger und Schriftsteller zitieren koranische Verse, indem sie diese aus dem Kontext bzw. Zusammenhang reißen. Sie versuchen damit den Islam in ein schlechtes Licht zu rücken, indem sie behaupten, dass dieser Gewalt und Terrorismus lehre. Es ist so, als ob jemand in der Bibel blättert und folgende Verse heranzieht, um aufzuzeigen, dass die Bibel Gewalt fördere:

[Numeri, 25:07]...nimm alle Obersten des Volks und hänge sie dem HERRN auf an der Sonne,...

[Numeri, 31:18] So erwürget nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben; aber alle Kinder, die weiblich sind und nicht Männer erkannt haben, die laßt für euch leben.

[Richter, 21:11] Dies ist, was ihr tun sollt, sagten sie. ''Tötet jeden Mann und jede Frau, die keine Jungfrauen mehr sind.

Keine gerechte Person würde solch eine aus dem Kontext gerissene Präsentation der biblischen Verse akzeptieren. Doch heutzutage sehen wir viele christliche Missionare, die derartig vorgehen und zwar mit dem Koran. Es folgen einige Beispiele:

Beispiel 1:

Es wird oft dieser Vers zitiert:

...[2:191] Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft,...

Um den Kontext zu verstehen, sollten diese Leute jedoch den Vers 190-193 der gleichen Sure im Gesamten hervorbringen:

[2:190] Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter. [2:191] Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen. [2:192] Wenn sie jedoch aufhören, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig. [2:193] Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist. Wenn sie jedoch aufhören, dann darf es kein feindseliges Vorgehen geben außer gegen die Ungerechten.

Der Kontext stellt klar, dass der Vers 191 den Muslimen aus Medina erlaubt, sich gegen die Aggressionen der Nicht-Muslime aus Mekka zu verteidigen. Gewiss sagt dieser Vers nicht aus, dass der Muslim durch die Welt spazieren- und jeden Nicht-Muslim oder auch Ungläubigen, den er findet, töten sollte.

Beispiel 2:

Auch wird dieser Vers oft zitiert:

[4:74] So sollen denn diejenigen auf Allahs Weg kämpfen, die das diesseitige Leben für das Jenseits verkaufen. Und wer auf Allahs Weg kämpft und dann getötet wird oder siegt, dem werden Wir großartigen Lohn geben.

Jene Nicht-Muslime, die diesen Vers auflisten, liefern nicht den darauffolgenden Vers, der uns den Zweck und die Rechtfertigung für den kleineren Jihad liefert:

[4:75] Was ist mit euch, daß ihr nicht auf Allahs Weg, und (zwar) für die Unterdrückten unter den Männern, Frauen und Kindern kämpft, die sagen: "Unser Herr, bringe uns aus dieser Stadt heraus, deren Bewohner ungerecht sind, und schaffe uns von Dir aus einen Schutzherrn, und schaffe uns von Dir aus einen Helfer."

Dieser Vers fordert die Muslime auf, sich für die Unterdrückten unter den Männern, Frauen und Kindern zu erheben. Sollte eine göttliche Religion denn nicht unterdrückte Männer, Frauen und Kinder verteidigen?

Beispiel 3:

Der Versabschnitt aus der Surah 9, Vers 12:

[09:12]...kämpft gegen die Anführer des Unglaubens...

Dies ist jedoch nur eine Textpassage des Verses, in welchem Gott über die Muslime in Medina und ihren Friedensvertrag mit den Ungläubigen aus Mekka spricht:

[09:12] Wenn sie ihre Eide aber nach Vertragsabschluß brechen und eure Religion schmähen, dann kämpft gegen die Anführer des Unglaubens - für sie gibt es ja keine Eide -, auf daß sie aufhören mögen. [09:13] Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen? Fürchtet ihr sie? Aber Allah hat ein größeres Anrecht darauf, daß ihr Ihn fürchtet, wenn ihr gläubig seid. [09:14] Kämpft gegen sie! Allah wird sie durch eure Hände strafen, sie in Schande stürzen, euch zum Sieg über sie verhelfen und die Brüste von gläubigen Leuten heilen.

Der Kontext gewährt den Muslimen in klarer Form das Recht, sich zu verteidigen. Jedoch unterstützt der Vers in keinem Fall einen unbegründeten Angriff oder Überfall auf Menschen.

Beispiel 4:

Auch wird dieser Vers herangezogen:

[9:36]...Und kämpft gegen die Götzendiener allesamt...

In Wahrheit ist dieser Satz nur ein Teil eines ganzen Verses, in welchem Gott über die Heiligkeit von vier der 12 Monate spricht, in welchen das Kämpfen verboten ist. Der ganze Vers lautet:

[9.36.] Gewiß, die Anzahl der Monate bei Allah ist zwölf Monate, im Buch Allahs (festgelegt) am Tag, da Er die Himmel und die Erde schuf. Davon sind vier geschützt, Das ist die richtige Religion. So fügt euch selbst in ihnen kein Unrecht zu. Und kämpft gegen die Götzendiener allesamt wie sie gegen euch allesamt kämpfen! Und wißt, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist!

Jene, die diesen koranischen Vers außerhalb des Kontextes präsentieren, zitieren nicht den obigen unterstrichenen Satzteil: ''wie sie gegen euch allesamt kämpfen!''. Wie ihr seht, ist der Vers auch eine Antwort auf die Gewalt und den Angriff, der von den Ungläubigen gegen die Muslime gestartet wurde. Er spricht nicht darüber einen Krieg zu beginnen.

[4] Schlussfolgerung


Durch diesen vereinfachten Artikel wurde deutlich, dass der Jihad kein Angriffskrieg ist, sondern ein Verteidigungskrieg. Er erlaubt es den Muslimen ihr Leben, ihren Besitz und ihre Länder zu verteidigen. Dieses Recht steht jedem Menschen zu, doch wenn es um den Islam geht, neigen einige zur Unmenschlichkeit, indem sie das Recht auf Verteidigung als Terror bezeichnen. Wahr ist auch, dass einige, sich zum Islam bekennende Menschen, wie die Salafisten, den Begriff Jihad für Machtzwecke und Terror missbrauchen. Dem Leser sollte es klar sein, dass sie nicht nur Terror gegen Nicht-Muslime ausüben, sondern auch gegen Muslime, die ihre, aus Sicht des Islams, falsche Ideologie ablehnen. Dementsprechend sollten wir Menschen, unabhängig von unserer Religion, Hand in Hand gegen das Unrecht und die Unruhestifter auf Erden vorgehen und ein besseres Beispiel aufzeigen. In Zukunft, so Gott will, werden wir uns gezielter, bezüglich einiger Verse des Jihads, äußern.

Frei übersetzt und ergänzt von: Mohamad.A     Internetseite: Shiat-mohamad.blogspot.com