Welch einen Wert die Eltern im Islam besitzen wurde im deutschen Raum schon ausgiebig diskutiert. Diesmal jedoch, möchten wir in kurzer Form besprechen, wie du als Konvertit mit deinen Eltern umgehen solltest, falls diese denn keine Muslime oder auch Nicht-Shiiten sein sollten. Solltest du sie respektlos behandeln, gefolgt von einem herabwürdigenden Umgang? Oder solltest du ihnen mit Respekt und Barmherzigkeit gegenüberstehen? Hierzu existieren reichliche Überlieferungen und Gelehrtenaussagen, von denen wir einige erwähnen werden.
[1] Es macht keinen Unterschied, ob deine Eltern nun Muslime oder Nicht-Muslime sind
Was den Respekt, die Güte und Fürsorge etc. anbelangt, so macht es hier kein Unterschied, ob deine Eltern nun Muslime oder Nicht-Muslime sind. Der shiitische Gelehrte Ayatullah Destaghayb schrieb in seinem Werk ''Die großen Sünden'' ein ganzes Kapitel bezüglich der Eltern. Folgendes lesen wir:
Ayatullah Destaghayb sagt: Ob die Eltern nun Gläubige und fromm sind, oder Ungläubige und sündhaft, so ist die Güte gegenüber ihnen Wajib (verpflichtend), während Aq al Walidayn Haram (verboten) ist.Hiernach listet der Gelehrte als Beweisführung einen Koranvers auf:[31:14] Und Wir haben dem Menschen im Hinblick auf seine Eltern anbefohlen - seine Mutter trug ihn in Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung erfordert zwei Jahre -: Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist die Heimkehr. [31:15] Doch wenn sie dich auffordern, Mir das zur Seite zu setzen, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber verkehre mit ihnen auf gütige Weise[...]
Shiitische Quelle: Die größeren Sünden, Kapitel 8, der Ungehorsam gegenüber den Eltern
Um kurz den arabischen Begriff Aq al Walidayn zu erklären, den Ayatullah Desteghayb im obigen Zitat erwähnte, nehmen wir uns den shiitischen Gelehrten Allamah al Majlisi zu Hilfe:
Allamah al Majlisi sagt: Aq al Walidayn bedeutet, dass der Sohn oder die Tochter die Eltern nicht respektiert, sei es in Rede oder Tat. Oder auch, dass sie ihnen nicht in Angelegenheiten gehorchen, die sich im angemessenen (zulässigen) Rahmen befinden und in keinster Weise gegen die Religion sprechen. Aq al Walidayn ist absolut Haram (verboten). Die Bücher der Überlieferungen, seien diese von den Shiiten sowie auch Sunniten, bestätigen diesen Fakt. Mit Wut auf die Eltern zu starren, ist Aq, Unzufriedenheit (Traurigkeit) bei den Eltern auszulösen, endet in Aq. Es ist Haram (verboten) irgendeinen Schritt zu tätigen, über den man sich sicher ist, dass dieser die Eltern verärgern wird.
Shiitische Quelle: Mirat al Uqul, die Auslegung von Allamah al Majlisi zum shiitischen Werk ''Al Kafi''
Von daher dürfte es nun klar sein, wie die Konvertiten mit ihren Nicht-Muslimischen Eltern umzugehen haben. So ist die Gehorsamkeit zu ihnen Pflicht, außer bei Dingen, die dem Islam widersprechen, wie beispielsweise die Aufforderung Sünden zu begehen! Um dieses Kapitel abzurunden, folgt eine kurze Überlieferungen, überliefert von der Familie des Propheten Mohamad (saas):
Imam al Ridha (as) sagte zu Al Mamun: [...] Es ist eine Pflicht die eigenen Eltern mit Güte zu behandeln. Für den Fall, dass die Eltern Polytheisten ( = Nicht-Muslime) sind, so darf man ihnen dann nicht gehorchen, wenn es zum Ungehorsam gegenüber Gott führt. Auch sollte man derartig verfahren, sobald man anderen folgt (gehorcht), da es nicht erlaubt ist irgendeinem Geschöpf zu gehorchen, während man dabei dem Schöpfer nicht gehorcht […].
Shiitische Quelle: Uyun Akhbar al Ridha, Band 2, Kapitel 35, Hadith 1
[2] Das schöne Beispiel von Zakaria Ibn Ibrahim, einem Konvertiten, der seine christliche Mutter mit Güte behandelte
Es folgt eine Überlieferung, überliefert von der Familie des Propheten Mohamad (saas), die uns aufzeigt, wie gütig ein konvertierter Muslim mit seiner noch christlichen Mutter umging, sodass sie sogar allein deswegen den Islam annahm:
Eine Reihe unserer Leute berichtete von Ahmad ibn Muhammad ibn Khalid von Ali ibn al-Hakam, von Muawiyah ibn Wahab, von Zakariya ibn Ibrahim, der folgendes sagte: Ich war ein Christ und wurde ein Muslim. Ich machte mich auf den Weg zur Hajj (Pilgerfahrt), wo ich Abu Abdillah (Imam Jafar as.) traf und sagte zu ihm: Ich war ein Christ und bin ein Muslim geworden. Der Imam fragte: Was bewegte dich zum Islam? Ich sagte: Es waren die Worte Allahs, dem Majestätischen und Heiligsten: [42.52] Und ebenso haben Wir dir Geist von Unserem Befehl (als Offenbarung) eingegeben. Du wußtest (vorher) weder, was das Buch noch was der Glaube ist; doch haben Wir es zu einem Licht gemacht, mit dem Wir rechtleiten, wen Wir wollen von Unseren Dienern. Und du leitest ja wahrlich zu einem geraden Weg.
Der Imam sagte daraufhin drei mal: Oh Allah leite ihn recht (rechtleiten). Oh Sohn, frage was auch immer du fragen möchtest. Ich sagte dann: Meine Eltern und meine Familie sind Christen und meine Mutter ist blind. Ich lebe mit ihnen! Darf ich mit ihnen essen? Der Imam fragte: Essen sie denn Schweinefleisch? Ich sagte: Nein, sie berühren es nicht einmal. Der Imam sagte: Du begehst keinen Verstoß, wenn du mit ihnen isst. Sei vorsichtig mit deiner Mutter und sei freundlich zu ihr. Wenn sie sterben wird, überlasse sie niemanden anderes. Du musst all dies tun, was sie gebrauchen wird ( für das Begräbnis). Erzähle keinem von dieser Begegnung mit mir, bis du mich wieder in Mina antreffen wirst, wenn es Allah den so möchte.
Ich traf ihn dann letztendlich in Mina wieder und die Menschen waren um Ihn herum, als würde er der Lehrer von Kindern sein. Er stellte Fragen und daraufhin stellten auch die anderen Fragen und so weiter. Ich kehrte nach Kufa zurück und gebrauchte es freundlicher mit meiner Mutter umzugehen. Ich versorgte sie (mit Lebensmitteln), wusch ihre Kleider, ihren Kopf und diente ihr auch auf anderen Wegen. Sie sagte: Mein Sohn, du tatest all dies nicht als du meiner Religion folgtest. Was ist all dies, dass ich nun sehe, nachdem du fortgegangen bist und die Religion der Unterwerfung (Islam) annahmst? Ich sagte: Ein Mann von den Nachkommen des Propheten befahl mir all dies zu tun. Sie fragte dann: Ist er ein Prophet? Ich sagte: Nein, er ist jedoch der Nachkomme eines Propheten. Sie sagte: Mein Sohn, er ist ein Prophet, denn diese (Handlungen) sind von den Lehren der Propheten. Ich sagte: Mutter, es wird nach unserem Propheten keinen anderen Propheten geben. Er ist ein Nachkomme unseres Propheten. Sie sagte daraufhin: Deine Religion ist die herausragendste Religion. Erkläre sie mir. Schließlich erklärte ich sie ihr und sie nahm folglich den Islam an. Ich brachte ihr auch Weiteres bei. Sie betete die Dhuhr, Asr, Maghrib und Isha Gebete. Nachdem geschah etwas mit ihr in der Nacht und sie sagte: Sohn, erkläre und wiederhole jenes was du mir über den Islam schon zuvor nanntest und ich wiederholte es für sie. Sie bestätigte sie (die Worte) und starb daraufhin. Am Morgen, waren es die Muslime, die bei ihrem Begräbnis mit halfen und sie auch wuschen. Ich war derjenige, der das Totengebet verrichtete und zu ihrem Grab hinunterstieg (um Ihren Körper darin zu platzieren.)
Shiitische Quelle: Al Kafi, Band 2, Seite 160-161
[3] Ich bin zu den Shiiten konvertiert, doch meine Eltern sind noch Sunniten
Auch hier gilt es den Eltern mit Respekt und Güte zu begegnen. Wir haben aufgezeigt, dass man selbst bei Nicht-Muslimischen Eltern derartig vorgehen sollte, sowie ist es dann erst bei anderen islamischen Denkrichtungen? Listen wir diesbezüglich zwei authentische Überlieferungen auf, die Ayatullah Desteghayb ebenfalls in seinem Werk im gleichen Kontext gebraucht:
Mu’ammar ibn Khallad erzählt: Ich fragte Imam al Ridha (as): Darf ich für meine Eltern beten, die nicht die Wahrheit kennen (die Lehren der Ahlulbayt as.)? Der Imam antwortete: Bete für sie und gebe Sadaqah zu ihren Gunsten. Falls sie am Leben sein sollten und nicht die Wahrheit kennen, sei nett zu ihnen. Der Gesandte Allahs sagte nämlich: Allah sandte mich mit (der von Botschaft der) Güte und nicht, um zu strafen.
Shiitische Quelle: Al Kafi, Band 2, Seite 159
Auch erzählt Jabir: Ich hörte einen Mann zu Abu Abdallah (Imam Jafar as.) sagen: Meine Eltern folgen nicht der Wahrheit (den Lehren der Ahlulbayt). Der Imam antwortete: Sei nett zu ihnen, sowie auch die Muslime, die uns folgen, nett sind.
Shiitische Quelle: Band 2, Seite 162
[4] Schlussfolgerung
Nicht zu leugnen, ist die Tatsache, dass konvertierte Muslime existieren, die bezüglich dieser Thematik entgegengesetzt der islamischen Richtlinien handeln. Sie brechen den Kontakt zu den Eltern ab, lästern in aller Öffentlichkeit über sie und schmähen sie. Die Mutter, die einst ihre Füße pflegte, ist nun die Frau, welche diese ins Gesicht getreten bekommt. Und der Vater, der sie einst mit Kleidung und Brot versorgte, ist nun jener, der mit ihren hässlichen Worten statt ihrer Dankbarkeit versorgt wird. Ohne Frage streben deartige Muslime den Zorn Gottes an, statt das sie sein Wohlgefallen anstreben.
Übersetzer: Mohamad.A Internetseite: Shiat-mohamad.blogspot.com
