In diesem Vortrag, der, so Gott will, aus mehreren Teilen bestehen wird, werden wir uns zu verschiedenen Überlieferungen äußern. So wird euch hinsichtlich einiger Überlieferungen ein besseres Verständnis verliehen, sodass ihr dadurch inshallah im Wege Gottes voran schreiten könnt.
Jeder Teil dieser Vortragsserie wird aus genau zehn Überlieferungen bestehen. Die Erklärungen zu den Überlieferungen stammen aus dem Werk ' 150 Lektionen fürs Leben' von Ayatullah Makaram Al Shirazi. Dabei sollte angedeutet sein, dass es sich hierbei nicht um eine wortwörtliche Übersetzung der Erklärungen handelt, da dies in einigen Fällen nicht umzusetzen war. Folglich wurden einige Sätze umgeschrieben, weggelassen (aufgrund von Übersetzungsproblemen) etc., um dem Leser ein besseres Verständnis zu gewähren. Der Inhalt der übersetzten Erklärungen orientiert sich jedoch sehr stark an dem Original und stimmt mit der Erklärung von Ayatullah Makaram Al Shirazi überein.
[1] Halte dich rein
Der Prophet Mohamad (saas) sagte: Dein Mund ist einer deiner Wege zu Gott. Der zumeist geliebte Mund bei Allah, ist der zumeist wohl duftende. So sorge dafür, dass dein Mund wohlriechend ist, soviel du nur kannst.
Shiitische Quelle: Wasael ul Shia, Band 1, Seite 358
Erklärung: Diese Überlieferung, die in Wasail ul Shia, Abschnitt hinsichtlich der Regeln (Gesetze) des Zähneputzens, überliefert ist, besitzt eine äußere und eine innere Bedeutungen. Die äußere Bedeutung deutet darauf hin, dass während der Mensch mit seinem Mund Gott gedenkt, heilige Verse rezitiert und ihn anbetet, er diesen auch sauber und wohlriechend halten sollte.
Die innere Bedeutung besagt, dass jener Mund, der eine Verbindung zwischen dem religiösen Pfad und den Dienern Gottes darstellt, bei Gott als bevorzugter gilt, wenn er aufgrund der guten, reinen und gütigen Reden, wohlriechend wird und frei von jeglicher üblen Rede, Beschimpfung, Lüge und Härte ist.
[2] Führe eine Selbstuntersuchung durch, jeden Tag!
Imam al Kadhim (as) sagte: Jener, der an jedem Tag keine Selbstuntersuchung durchführt, besitzt keine Beziehung zu uns.
Shiitische Quelle: Aqwalul A2ima, Band 1, Seite 214
Erklärung: Verlust zu verhindern und Gewinn zu erzielen, sei es in einer kleinen oder großen Einrichtung dieser Welt, ist ohne ständigen Untersuchungen, Kontrollen und Bilanzen nicht möglich. Es ist nahe zu erstaunlich, dass Menschen hinsichtlich der Errechnung bzw. Berechnung ihres materiellen Vermögens sehr vorsichtig sind, oder mit solch einer Vernunft an die Sache herangehen, wenn es darum geht, einige Kilos ihres Körpergewichtes zu verlieren bzw. auch zu gewinnen. Was jedoch ihre menschlichen, moralischen und immateriellen Werte anbelangt, so untersuchen sie diese oft nicht einmal im Leben. Welch eine schreckliche Vernachlässigung dies doch ist!
Ein verantwortungsbewusster und wachsamer Muslim ist, laut der Rede von Imam Kadhim in der zitierten Überlieferung, jener, der eine Selbstuntersuchung durchnimmt und dies jeden Tag, ohne Ausnahme. Falls er beispielsweise zum Entschluss kommt, dass er eine gute Tat begangen hat, so versucht er diese auch zukünftig durchzuführen, falls er eine schlechte begangen haben sollte, verfällt er folglich in Reue.
[3] Die Wirkung des Glaubens gilt härter als Eisen
Imam Sadiq (as) sagte: Die Gläubigen sind stärker als Eisenstücke, denn wenn Eisen dem Feuer ausgesetzt wird, verändert es sich. Wenn die Gläubigen jedoch getötet, dann wiederbelebt und nochmals getötet werden, würde keine Veränderung in ihren Denkweisen (ihrer Geisteshaltung) stattfinden.
Shiitische Quelle: Safinatul Bihar, Band 1, Seite 37
Erklärung: Das Leben wird von einer Reihe von Problemen und komplizierten Angelegenheiten begleitet. Schwache Menschen kapitulieren vor ihnen (den Problemen) binnen kurzer Zeit und flüchten aus dem Kriegsfeld. Jene, die jedoch stark sind, aufgrund der Stärke ihres Glaubens, ergeben sich diesen zahlreichen Problemen nie (sie stellen sich ihnen).
Sie wissen, dass es hinsichtlich der Befolgung der göttlichen Befehle, dem verhindern der Sünde und der Verwirklichung (dem Erlangen) von Auszeichnungen und Verdiensten immer Hindernisse geben kann. Sie wissen jedoch auch, dass wenn sie diese Dinge erreichen möchten, die Selbstbeherrschung, die Selbsthingabe (Aufopferungsbereitschaft) und der eigene Widerstand gegen die rebellischen Gelüste (den bösen Neigungen) und den anderen Problemen, erforderlich sind. Folglich hören sie mit ihren Anstrengungen und Bemühungen auf dem Weg der Religion nicht auf und stehen nicht in Furcht vor diesen Hindernissen.
[4] Die Wirklichkeit der göttlichen Einheit (Tauhid) und der göttlichen Gerechtigkeit
Imam Ali (as) sagte: Die Wirklichkeit der Einheit Gottes besagt, dass man seine Essenz nicht festlegen (definieren) sollte in seinen Vorstellungen und der Glaube an seine Gerechtigkeit besagt, dass man ihn nicht hinsichtlich irgendeiner Tätigkeit beschuldigen (ihm nichts vorwerfen) soll.
Shiitische Quelle: Nahjul Balagha
Erklärung: Das Prinzip der Existenz Gottes gilt als eindeutig und offensichtlich für uns und jegliche Partikel, von den Partikeln dieser Welt, sind uns ein Argument, hinsichtlich seiner Erhabenheit, Macht, seines Wissen und seiner Kraft. Jedoch ist die Wirklichkeit seiner Essenz vor uns verborgen. Gott ist nämlich eine unbegrenzte Existenz und sein Wesen liegt außerhalb unseres Verständnisses (wir können sein Wesen nicht verstehen). Folglich sollten wir in Betracht ziehen, dass seine Essenz jenseits dessen ist, was wir uns vorstellen und genau dies die Wirklichkeit der Einheit (al Tauhid) darstellt.
Auf der anderen Seite, geschehen einige Ereignisse in dieser Welt, die uns ein Rätsel sind bzw. uns das Geheimnis oder auch der Grund hinsichtlich des jeweiligen Geschehnisses nicht bekannt ist (bsp. Der Verlust von Dingen, Krankheiten etc.). Die göttliche Gerechtigkeit besagt bei solchen Fällen, dass all diese Ereignisse einen Grund besitzen und berechtigt sind und jeglicher Verdacht hinsichtlich dieser Angelegenheit (Bsp. Argumente wie, Allah handelte gegen mich ungerecht), sich nicht im Einklang mit der Gerechtigkeit und Weisheit befindet.
[5] Martyrium und Reinheit
Der Prophet Mohamad (saas) sagte: Wenn du mit der Reinheit aus diesem Leben scheidest, wirst du den Märtyrern gleichgestellt sein.
Shiitische Quelle: Safinatul Bihar, Band 1, Seite 720
Erklärung: Die obige Überlieferung ist ein Auszug aus einer Anweisung des Propheten, die er hinsichtlich einer seiner Gefährten tätigte: Wenn es dir möglich ist, absolviere die Waschung Tag und Nacht, denn wenn du in diesem Zustand stirbst, wirst du als ein Mertyrer betrachtet werden.... Doch diese Überlieferung deutet zusätzlich auf einen weiteren Fakt hin: Jene die tugendhaft sind, deren Herzen vor Reinheit glänzen, begleitet durch den Gedanken, dass sie auch in der Zukunft ein reines Leben in Anbetracht ziehen wollen und die Erde letztendlich in diesem Zustand verlassen, werden gewiss mit den Märtyrern gleichgestellt sein, da ein Martyrium nicht allein darauf beschränkt ist, im Schlachtfeld getötet zu werden. Hinsichtlich dieser Tatsache existieren weitere Überlieferungen vom Propheten.
[6] Die selbst aufopfernden Liebhaber
Imam Baqir (as) sagte: Die treu ergebenen Gefährten meines Großvaters, Imam Hussein (as), spürten keinen Schmerz unter den Hieben der Schwerte und Speere ihrer Feinde.
Shiitische Quelle: Bihar al Anwar, Band 45, Seite 80
Erklärung: Wenn sich die Zuneigung eines Menschen hinsichtlich einem Ziel (er möchte dieses Ziel unbedingt erreichen) im Stadium der Liebe befindet, besonders einer übermäßigen Liebe, richten sich all seine Gefühle auf diesen Punkt (auf das Ziel) und so gilt jede Unannehmlichkeit (Unbequemlichkeit) als verträglich für die jeweilige Person. Sie gilt nicht nur als verträglich für ihn, nein, er spürt selbst keine Besorgnis (Bsp. über den Tod, den Schmerz etc.). Während ägyptische Frauen ihr Bewusstsein bzw. ihre Wahrnehmung verloren und dabei die Finger statt die Früchte schnitten, basierend auf einer bildlichen und vergänglichen Liebe, nämlich allein aufgrund dessen sie das schöne Gesicht vom Propheten Yosef sahen, ist es wenig verwunderlich, dass die stetigen Liebhaber Gottes und die opferwilligen Personen im Pfade der Wahrheit und Tugend, keine Schmerzen verspüren, aufgrund der schweren Hiebe der Feinde. Zuerst sollte man ein Liebhaber sein (auf die Religion bezogen), denn dann wird die Selbstopferung und Verträglichkeit (von Schmerzen etc.) zum unausweichlichen Ergebnis.
[7] Es existieren nur wenige, die wahrhaftig gläubig sind
Imam Hussein (as) sagte: Die meisten Menschen sind Diener der materialistischen Welt, während die Religion nur auf ihrer Zungen geschrieben steht. Solange sie unter guten Umständen leben, unter der Gnade der Religion, befürworten sie sie (die Religion). Wenn sie jedoch durch schwere Umstände geprüft werden, existieren nur wenige religiöse Menschen unter ihnen.
Shiitische Quelle: Bihar ul Anwar, Band 10, Seite 198
Erklärung: Die Religion, insbesondere die des Islams, bewahrt bzw. schützt die Rechte der menschlichen Gesellschaft und unterstützt und befürwortet ihre wahren und gerechten Interessen. Doch manchmal stellt die Religion eine Barriere, hinsichtlich der Interessen der Individuen, dar. Genau ab diesem Zeitpunkt werden die wahrhaftig religiösen Menschen von jenen, die die Religion nur auf der Zunge bekunden, differenziert.
Die meisten Menschen betrachten alles aus der Sichtweise ihrer eigenen Interessen und befürworten die Religion, wenn sie ihre persönlichen Rechte bewahrt bzw. schützt. Kommt die Religion ihren persönlichen Interessen jedoch nicht zugute, lassen sie von ihr ab und verfolgen das Motto: "Wir glauben an einiges, glauben jedoch nicht an anderes." Die wahrhaft religiösen Menschen jedoch, sind jene, die der Religion treu ergeben sind und dies zu jeder Situation. Die Religion und der Glaube bestimmen die Linie ihres Lebens, anstatt, dass es ihre persönlichen Interessen tun.
[8] Gerechtigkeit unter den Kindern
Der Prophet Mohamad (saas) sagte: Seid gerecht zwischen euren Kindern, so wie ihr es vermögt, dass sie gerecht zwischen euch sind.
Shiitische Quelle: bihar al Anwar, Band 23
Eines der Hauptprobleme liegt in der unterschiedlichen Behandlung der Kinder. Einige Menschen bevorzugen ihr älteres Kind und einige andere wiederum ihr jüngeres. Oft überschreiten sie die Grenzen hinsichtlich dieser Angelegenheit und widmen ihre gesamte Güte, ihre Zuneigung und ihren Besitz, an eines ihrer Kinder, währenddessen sie die anderen völlig ignorieren.
Dieses Verhalten löst ein Feuer der Bosheit und Neid in ihren Herzen aus, wohingegen dies wiederum dazu führt, dass die Geschwister sich gegeneinander anfeinden, nachtragend (rachsüchtig) gegen ihre Eltern sind und selbst in der Gesellschaft Rache bzw. Vergeltung anstreben.
[9] Stehe deinen Brüdern zur Verfügung
Imam Sadiq (as) sagte: Wer auch immer es sich zur Aufgabe macht, die Bedürfnisse seines muslimischen Bruders zu erfüllen, dem wird Gott schließlich auch seine eigenen Wünsche erfüllen.
Shiitische Quelle: Bihar al Anwar, Band 74, Seite 286
Erklärung: Menschen denken sich oft, dass wenn sie Zeit aufbringen die Probleme anderer zu bewältigen, dieses den Vorschritt in ihrem eigenen Leben verzögert bzw. auch behindert. Der logische islamische Grundgedanke besagt jedoch etwas anderes. Der Prophet Mohamad (saas) sagt beispielsweise: Wenn ihr euch dafür einsetzt, die Probleme der Menschen zu lösen und ihre Erfordernisse zu erfüllen, wird Gott, dessen Macht sich jenseits eurer Macht und allen Mächten befindet, euch helfen und eure Probleme lösen.
[10] Die Fehler im Leben
Imam Ali (as) sagte: Beschäftige dein Herz nicht mit der Trauer aufgrund deiner Vergangenheit, denn ansonsten wirst du deine Bereitwilligkeit für die Zukunft verlieren.
Shiitische Quelle: Ghoralul Hekam, Seite 289
Erklärung: Nur einige Menschen existieren, die noch keine Fehler begingen oder eine Chance in ihrem Leben verpassten.
Hierbei existieren zwei Gruppen von Menschen. Die einen verschwenden ihre Zeit für das Bedauern bzw. den Kummer hinsichtlich der Vergangenheit und verlieren auf diesem Weg ihre verbliebene Energie. Die anderen jedoch, schließen mit ihrer Vergangenheit ab, bestimmen sie als beendet, vergessen sie somit und ziehen einige Lehren aus ihr. Sie beschäftigen sich weiter mit Ihrer Zukunft und bringen alles dafür auf, um dem Heute zu begegnen und das Morgige zu gestalten. Gewiss sind sie es, die erfolgreich sein werden, sowie es Imam Ali in der obigen Überlieferung beschrieb.
Frei übersetzt von: Mohamad.A Internetseite: Shiat-mohamad.blogspot.com
